„Europäischer Politikskandal“ – Todesstrafe

EU erlaubte Todesstrafe zur Niederschlagung von Aufständen und Aufruhr & fördert (wohl) mit Finanzhilfen die Todesstrafe in anderen Staaten!

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In der Diskussion um die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei gibt es Fehl- und Falschinformationen. Vor allem die Moralapostel aus der Europäischen Union führen sich dabei selbst vor. Denn die EU selbst erlaubte die Todesstrafe zur Niederschlagung von Aufständen und Aufruhr. Außerdem finanziert sie wohl Drogenbekämpfungsprogramme für Staaten, in denen die Todesstrafe für Drogendelikte besteht. Aber das ist noch nicht alles: Mitten in Deutschland gibt es ein Bundesland, in dem die Todesstrafe noch immer in der Landesverfassung verankert ist! Wenn Sie all das nicht glauben, dann lesen Sie weiter…

Nach dem missglückten Umsturzversuch in der Türkei, ob von der Regierung selbst inszeniert, von ausländischen Geheimdiensten lanciert oder tatsächlich von einheimischen Putschisten begangen – Wahrheit und Verschwörungstheorien liegen da noch weit auseinander – schockt der starke Mann vom Bosporus die ganze Welt. Nicht nur aufgrund der „Säuberung aller staatlichen Institutionen von diesem Geschwür“[i], die der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan in der Opposition, der Justiz, dem Militär, der Presse etc. durchführt. Oder wegen des kürzlich verhängten dreimonatigen Ausnahmezustandes, sondern vor allem wegen seines mehrmals bekundeten Willens, die 2004 abgeschaffte Todesstrafe wieder einzuführen. Freilich um die Umstürzler „gebührend“ zu bestrafen.

Fakten hinsichtlich der Abschaffung der Todesstrafe in der Türkei

1984: Die Türkei stellt die Praxis der Todesstrafe ein.

2002: Das türkische Parlament stimmt für die Abschaffung der Todesstrafe in Friedenszeiten. Es kündigt an, Todesurteile aufgrund terroristischer Straftaten künftig in lebenslange Haftstrafen ohne Bewährung umzuwandeln.

2003: Die Türkei schafft die Todesstrafe auch in ihrem Militärgesetz ab.

2004: Der Vertrag wird vom türkischen Parlament unterzeichnet.

Recep Tayyip Erdoğan sieht sich in seiner Forderung nach Wiedereinführung der Todesstrafe weitgehend vom Volk unterstützt. Nach dem jüngsten Putschversuch erklärt er, die Wünsche des Volkes nicht abzutun. Tatsächlich verlangten tausende seiner Anhänger lautstark die Wiedereinführung der Todesstrafe. Deshalb auch seine rhetorische Frage: „Gibt es heute nicht in Amerika die Todesstrafe? In Russland? China? In anderen Ländern der Welt? Nur in den EU-Ländern gibt es keine Todesstrafe.“[ii] Und in Richtung der Umstürzler meinte er: „Warum sollte ich die Putschisten auf Jahre hinweg im Gefängnis halten und füttern? Das sagen die Leute.“[iii]

Voraussetzung für die Wiedereinführung der Todesstrafe in seinem Land sei jedoch ein verfassungsändernder Beschluss des Parlamentes, Er als Präsident würde jede Entscheidung des Parlamentes billigen. Oder anders ausgedrückt: Beschließt das türkische Parlament die Wiedereinführung der Todesstrafe, so will er diese auch umsetzen.

Bereits 2012 ließ Erdoğan – damals noch Ministerpräsident – im Hinblick auf den inhaftierten PKK-Führer Abdullah Öcalan – verlauten, dass „gerade jetzt“ eine „Menge Leute in öffentlichen Umfragen“ sagen würden, „dass die Todesstrafe wieder eingeführt werden sollte…“[iv]

Laut einem Bericht der türkischen Tageszeitung Hürriyet sagte er damals beim Jahrestreffen seiner Partei AKP auch, die Türkei habe die Todesstrafe aufgrund des „Drucks von außen hin“ abgeschafft.[v] Ein paar Tage später zitiert ihn die Zeitung Zamandamit, man könne darüber diskutieren, die Todesstrafe bei Verbrechen wie Terror und Mord wieder einzuführen. „Für politische Verbrechen mag das nicht der Fall sein. Doch es ist vielleicht möglich über die Wiedereinführung der Todesstrafe im Zusammenhang mit terroristischen Verbrechen oder solchen, die den Tod von Menschen zur Folge haben, zu diskutieren“, so Erdoğan.

Schon damals ahnte er natürlich von dem Konflikt mit der EU und klärte schnell die Öffentlichkeit darüber auf, dass die internationale Gemeinschaft nicht nur aus der EU bestehe. Im Jahr 2014 forderte er die Todesstrafe für Kindermörder und Pädophile.[vi]

Europäische „Pseudomoralisten“

 Die Verantwortlichen in der EU sind nun völlig vor den Kopf gestoßen. Brauchen Sie den Mann am Bosporus doch im Kampf gegen den Terror. Immerhin sind tausende NATO-Soldaten, darunter auch Bundeswehrsoldaten, in der Türkei stationiert, um gegen den Islamischen Staat (IS) vorzugehen. Ganz abgesehen davon, dass Erdoğan die Flüchtlingsströme nach Zentraleuropa eindämmt. Dennoch sah sich die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini genötigt, schnell zu erklären: „Kein Land kann Mitgliedstaat der EU werden, wenn es die Todesstrafe einführt.“[vii]

Sie erinnern sich vielleicht: Für ihren Flüchtlingsdeal klopfte sich Angela Merkel unlängst selbst auf die Schultern. Nun kommen ganz andere Töne aus Berlin in Richtung Ankara: Warnungen.

Eine Wiedereinführung der Hinrichtung in der Türkei bedeute automatisch das Aus für die EU-Beitrittsgespräche. Außerdem machte die Kanzlerin in einem eiligen Telefonat mit Erdoğan klar, dass die Türkei ein Zusatzprotokoll der Europäischen Menschenrechtskonvention unterzeichnet habe, das die Staaten zur vollständigen Abschaffung der Todesstrafe verpflichte.[viii] Dabei sollte Merkel zuerst vor ihrer eigenen Haustüre kehren. Denn auch in Deutschland gibt es ein Bundesland, in dem die Todesstrafe noch in der Verfassung steht.

Wissen Sie das überhaupt?

Die bundesweit älteste Landesverfassung ist jene von Hessen. Sie stammt aus dem Jahr 1946 und wird nun 70 Jahre alt. Und sie hat einiges an Überraschungen zu bieten, beispielsweise Artikel 21, in dem noch die Todesstrafe verankert ist! Auch heute noch.

Lesen Sie selbst (Hervorhebungen durch mich):

Art. 21 [Freiheitsstrafe; Todesstrafe][ix]
(1) Ist jemand einer strafbaren Handlung für schuldig befunden worden, so können ihm auf Grund der Strafgesetze durch richterliches Urteil die Freiheit und die bürgerlichen Ehrenrechte entzogen und beschränkt werden. Bei besonders schweren Verbrechen kann er zum Tode verurteilt werden.
(2) Die Strafe richtet sich nach der Schwere der Tat.
(3) Alle Gefangenen sind menschlich zu behandeln.

 Unfassbar aber wahr! 1949 wurde bekanntlich das Grundgesetz verabschiedet, das die Todesstrafe in der Bundesrepublik abschaffte. Da Bundesrecht Landesrecht bricht, ist Art. 21 der hessischen Landesverfassung gegenstandslos. Dennoch steht sie so noch immer schwarz auf weiß da. Politiker wollen sie nun streichen. Wohlgemerkt, wir schreiben das Jahr 2016!

Sicher weiß der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdoğan nichts davon. Sonst hätte er „Angela“ schon längst darauf angesprochen…

Die EU schaffte die Todesstrafe ab – aber …

Weitläufig bekannt ist, dass die die Todesstrafe in Mitgliedsstaaten der EU abgeschafft wurde. So heißt es in Artikel 1 und 2 der Charta der Grundrechte der Europäischen Unionvon 2010:

„Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie ist zu achten und zu schützen. Jeder Mensch hat das Recht auf Leben. Niemand darf zur Todesstrafe verurteilt oder hingerichtet werden.“[x]

Das war vor gerade mal 6 Jahren!

Kaum bekannt hingegen ist, dass Passagen, die die Todesstrafe betreffen, früher sogar Vertragsbestandteil der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten[xi] waren, die  so von den „Unterzeichnerregierungen, Mitglieder des Europarats – in Anbetracht der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte“ abgesegnet wurden.

Ganz recht – Sie lesen richtig. Die mit ihrer Moralkeule schwingenden Unionseuropäer sind nicht ganz unbefleckt vom Makel des Todes. Zu diesem Zeitpunkt war die Todesstrafe in den meisten EU-Mitgliedstaaten bereits abgeschafft und dort, wo sie noch nicht abgeschafft war, wurde sie nicht angewandt.

Nachfolgend zitiere ich aus Abschnitt I, Rechte und Freiheiten, Artikel 2, Recht auf Leben(Hervorhebungen durch mich):

  1. Das Recht jedes Menschen auf Leben wird gesetzlich geschützt. Niemand darf absichtlich getötet werden, außer durch Vollstreckung eines Todesurteils, das ein Gericht wegen eines Verbrechens verhängt hat, für das die Todesstrafe gesetzlich vorgesehen ist.
  2. Eine Tötung wird nicht als Verletzung dieses Artikels betrachtet, wenn sie durch eine Gewaltanwendung verursacht wird, die unbedingt erforderlich ist, um (a) jemanden gegen rechtswidrige Gewalt zu verteidigen; (b) jemanden rechtmäßig festzunehmen oder jemanden, dem die Freiheit rechtmäßig entzogen ist, an der Flucht zu hindern; (c)einen Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen.[xii]

Aber das ist noch nicht alles: In Artikel 2 des Protokolls Nr. 6 zur Europäischen Menschenrechtskommission (EMRK) heißt es außerdem:

Ein Staat kann in seinem Recht die Todesstrafe für Taten vorsehen, die in Kriegszeiten oder bei unmittelbarer Kriegsgefahr begangen werden; diese Strafe darf nur in den Fällen, die im Recht vorgesehen sind, und in Übereinstimmung mit dessen Bestimmungen angewendet werden (…)[xiii]

Das heißt nichts anderes, als dass die Todesstrafe in der EU weitgehendst zwar abgeschafft war, aber dennoch „Ausnahmen“ zugelassen werden konnten, nämlich um – ich wiederhole – „einen Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen“ sowie in „Kriegszeiten“.

Dieser Passus wurde erst Jahre später ersetzt und damit hinfällig: „Die Todesstrafe ist abgeschafft. Niemand darf zu dieser Strafe verurteilt oder hingerichtet werden.“[xiv]

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Wo die Todesstrafe bestehen bleibt, müssen nach Auffassung der EU „Mindestnormen“ eingehalten werden.

Nachfolgend die aufgestellten „Leitlinien“[xv] zur Todesstrafe (III. DOKUMENT ÜBER MINDESTNORMEN –  Im Hinblick auf die Staaten, die auf der Beibehaltung der Todesstrafe bestehen, hält die EU es für wichtig, dass folgende Mindestnormen eingehalten werden)[xvi]:

  1. i) Die Todesstrafe darf nur für schwerste Verbrechen verhängt werden, wobei ihr Anwendungsbereich nicht über vorsätzliche Verbrechen mit Todesfolge oder anderen äußerst schweren Folgen hinausgehen sollte. Die Todesstrafe sollte weder für gewaltfreie Handlungen wie Finanzstraftaten, Handlungen, die Ausdruck einer religiösen oder persönlichen Überzeugung sind, und sexuelle Beziehungen zwischen im beiderseitigen Einverständnis handelnden Erwachsenen noch als obligatorische Strafe verhängt werden.
  2. ii) Die Todesstrafe darf nur für ein Verbrechen verhängt werden, für das sie zum Zeitpunkt seiner Begehung angedroht war, wobei es dem Straftäter zugutekommen muss, wenn nach der Begehung des Verbrechens eine gesetzliche Bestimmung über die Verhängung einer milderen Strafe eingeführt wird.

iii) Die Todesstrafe darf nicht verhängt werden gegen

  • Personen, die zum Zeitpunkt der Begehung des Verbrechens noch keine 18 Jahre alt waren;
  • schwangere Frauen oder Mütter von Neugeborenen;
  • geisteskranke Personen.
  1. iv) Die Todesstrafe darf nur verhängt werden, wenn die Schuld des Angeklagten in eindeutiger und überzeugender Weise, die keine andere Erklärung des Sachverhalts zulässt, nachgewiesen wurde.
  2. v) Die Todesstrafe darf nur aufgrund eines von einem unabhängigen und unparteiischen zuständigen Gericht erlassenen rechtskräftigen Urteils im Anschluss an ein Gerichtsverfahren, einschließlich vor einem Sondergericht oder einer Sondergerichtsbarkeit, vollstreckt werden, das sämtliche Garantien für eine faire Verhandlung bietet, die mindestens denjenigen entsprechen, die in Artikel 14 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte enthalten sind, einschließlich des Rechts aller Personen, die eines mit der Todesstrafe bedrohten Verbrechens verdächtig sind oder eines solchen Verbrechens beschuldigt werden, auf angemessenen Rechtsbeistand in allen Verfahrensabschnitten sowie gegebenenfalls des Rechts auf Heranziehung eines konsularischen Vertreters.
  3. vi) Jeder zum Tode Verurteilte hat Anspruch auf Einlegung eines Rechtsmittels bei einem höherinstanzlichen Gericht, und es sollten Maßnahmen ergriffen werden, um sicherzustellen, dass derartige Rechtsmittel obligatorisch werden.

vii) Jeder zum Tode Verurteilte hat gegebenenfalls Anspruch auf Vorlage einer Individualbeschwerde nach internationalen Verfahren; die Todesstrafe wird so lange nicht vollstreckt, wie die Beschwerde nach diesen Verfahren geprüft wird; ferner wird die Todesstrafe so lange nicht vollstreckt, wie damit verbundene Rechts- oder förmliche Verfahren auf internationaler oder nationaler Ebene anhängig sind.

viii) Jeder zum Tode Verurteilte hat das Recht, um Begnadigung oder Umwandlung der Strafe zu bitten. Amnestie, Begnadigung oder Umwandlung der Todesstrafe kann in allen Fällen gewährt werden.

  1. ix) Die Todesstrafe darf nicht in Verletzung der internationalen Verpflichtungen eines Staates vollstreckt werden.
  2. x) Die Dauer, die nach der Verurteilung zum Tode vergangen ist, kann als Kriterium herangezogen werden.
  3. xi) Bei der Vollstreckung der Todesstrafe ist darauf zu achten, dass so wenig Leiden wie möglich zugefügt wird. Die Vollstreckung darf nicht öffentlich oder auf eine andere entwürdigende Weise erfolgen.

xii) Die Todesstrafe sollte nicht als politischer Racheakt unter Verletzung der Mindestnormen verhängt werden, z. B. gegen an einem Putschversuch beteiligte Personen.

 Die Abschaffung der Kapitalstrafe ist im Übrigen auch eine der Aufnahmebedingungen für die Mitgliedschaft in der Europäischen Union. Im Jahr 2007 hat sie sich aktiv an der Initiative für ein Moratorium für die Anwendung der Todesstrafe beteiligt. Außerdem strebt sie nach „weltweiter Abschaffung Todesstrafe (…)“ und ruft auf „zu einer verringerten Anwendung der Todesstrafe dort, wo sie noch existiert“ und besteht „auf der Einhaltung bestimmter Mindestnormen und eines Höchstmaßes an Transparenz bei deren Vollzug; gleichzeitig wird angestrebt, genaue Angaben über die Anzahl der verurteilten und hingerichteten Personen zu erhalten.“[xvii]

 Skandal: Finanziert die EU eigene Drogenbekämpfungsprogramme für Staaten, in denen die Todesstrafe für Drogendelikte besteht?

Trotz allem good will: Das Damoklesschwert der Todesstrafe schwebt weiter über der EU. Im Entschließungsantrag 2015/2879(RSP) zur Todesstrafe vom 7. Oktober 2015 ist das Europaparlament u.a. „zutiefst besorgt darüber, dass sich in Europa wieder häufiger für die Todesstrafe eingesetzt wird (…)“ und „fordert die Kommission und die Mitgliedstaaten auf, den unabdingbaren Grundsatz zu bekräftigen, wonach mit der von der EU geleisteten Hilfe und Unterstützung keine Strafverfolgungsmaßnahmen gefördert werden dürfen, die zu Todesurteilen und zur Hinrichtung von Inhaftierten führen (…)“[xviii]

Was ebenfalls unglaublich klingt: Die EU scheint Programme zur Drogenbekämpfung in Staaten zu finanzieren, in denen es noch die Todesstrafe gibt! Zumindest besteht die Besorgnis darüber.

Im oben genannten Entschließungsantrag bekundet das Europäische Parlament „seine ernsthafte Besorgnis darüber, dass von der EU finanzierte Programme zur Drogenbekämpfung in Staaten, die an der Todesstrafe festhalten, insbesondere dadurch Todesurteile und Hinrichtungen befördern können, dass diese Programme Ziele und Indikatoren vorgeben, die eine höhere Zahl an Beschlagnahmungen, Festnahmen und Verurteilungen sowie härtere Strafen vorsehen (…)“ und fordert „den Unterausschuss Menschenrechte seines Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten (AFET) auf, einen Bericht über die Todesstrafe zu erstellen, in dem insbesondere die Auswirkungen der Finanzmittel der EU für die Drogenbekämpfung und der Zusammenarbeit der EU im Bereich Sicherheit und Terrorismusbekämpfung auf die Menschenrechte bewertet und Empfehlungen abgegeben werden, mit denen sichergestellt wird, dass mit diesenFinanzmitteln kein Beitrag zu einer künftigen vermehrten Anwendung der Todesstrafe geleistet wird (…)[xix]

Also noch einmal zum mitschreiben: Das Europaparlament scheint Drogenbekämpfungs-Programme für Staaten zu finanzieren, in denen es die Todesstrafe hinsichtlich von Drogendelikten gibt.

Wo bleibt eigentlich die Mainstream-Presse, um genau das anzuprangern?

Zurück zur Türkei. Interessanterweise veröffentlichten die Deutsch-Türkischen Nachrichten (Unabhängige Zeitung für Politik, Wirtschaft und Kultur) im Mai 2014 einen Artikel[xx], in dem es u.a. heißt:

EU erlaubt Todesstrafe bei Aufständen und Aufruhr

(…)  Die Todesstrafe ist in Europa zwar nicht grundsätzlich verboten.

Doch Brüssel stellt konkrete Anforderungen. In den Erläuterungen zum Artikel 2 der Grundrechtecharta der EU steht, dass niemand zur Todesstrafe verurteilt oder hingerichtet werden dürfe. Eine Tötung ist nur dann zulässig, wenn „ein Aufruhr oder Aufstand rechtmäßig niederzuschlagen“ sei. Die Anwendung der Todesstrafe gilt auch „für Taten in Kriegszeiten oder bei unmittelbarer Kriegsgefahr.“

Fazit: Die Kritik an Erdoğan, der die Todesstrafe in der Türkei wieder einführen will, ist natürlich völlig berechtigt. Von den „EU-Moralaposteln“ jedoch äußerst bedenklich. Sie wissen jetzt auch warum: Erst noch vor kurzem erlaubten die europäischen Gutmenschen die Todesstrafe u.a. bei der Niederschlagung von Aufständen und Aufruhr oder im Krieg. Außerdem finanzieren sie wohl mit ihren Drogenbekämpfungsmaßnahmen die vermehrte Anwendung der Todesstrafe in verschiedenen Staaten. Und: Selbst in Deutschland (Bundesland Hessen) steht die Todesstrafe noch in der Landesverfassung.

Wenn das alles keine Ingredienzien für einen Politthriller sind, dann weiß ich auch nicht!

Von: von Guido Grandt
Quelle: http://www.watergate.tv/2016/07/21/europaeischer-politikskandal-todesstrafe/

Info-Quellen:

[I] http://www.br.de/nachrichten/eu-aussenminister-tuerkei-100.html

[II] http://www.br.de/nachrichten/eu-aussenminister-tuerkei-100.html%5BIII%5D http://www.bild.de/politik/ausland/militaer-putsch-tuerkei/tuerken-feiern-ankuendigung-46897812.bild.html

[IV] http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2012/11/462969/erdogan-viele-der-tuerken-wollen-todesstrafe-zurueck/

[V] zitiert nach: http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2012/11/462969/erdogan-viele-der-tuerken-wollen-todesstrafe-zurueck/

[VI] http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2014/05/501473/kritik-an-eu-erdogan-fordert-todesstrafe-fuer-paedophile/

[VII] http://www.watson.ch/International/T%C3%BCrkei/834991901-Trotz-Kritik-aus-der-EU–Erdogan-zur-Einf%C3%BChrung-der-Todesstrafe-bereit

[VIII] http://www.br.de/nachrichten/eu-aussenminister-tuerkei-100.html

[IX] http://lawww.de/hlv/Aktuell/hv_text.htm#start

[X] Vgl. »Charta der Grundrechte der Europäischen Union (2010/C 83/02)« in: Amtsblatt der Europäischen Union v. 30.03.2010 (C 83/389-392)/Archiv Grandt

[XI] Des internationalen Abkommens des Europarats

[XII] Vgl. »Europäische Konvention zum Schutz der Menschenrechte und Grundfreiheiten« o. J. in: Council of Europe Publishing/Archiv Grandt

[XIII] Vgl. »Erläuterungen zur Charta der Grundrechte (2007/C 303/02)« in: Amtsblatt der Europäischen Union v. 14.12.2007 (C 303/18)/Archiv Grandt

[XIV] Vgl. »Erläuterungen zur Charta der Grundrechte (2007/C 303/02)« in: Amtsblatt der Europäischen Union v. 14.12.2007 (C 303/17)/Archiv Grandt

[XV] Die der Rat 1998 erlassen hat

[XVI] http://www.consilium.europa.eu/uedocs/cmsUpload/10015.de08.pdf/// Zusammengefasst auch hier: „EU-Leitlinien zur Todesstrafe: überarbeitete und aktualisierte Fassung. Rat Allgemeine Angelegenheiten – 16. Juni 2008 [Nicht im Amtsblatt veröffentlicht]“ http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=URISERV%3Ar10106

[XVII] http://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=URISERV%3Ar10106

[XVIII] Entschließungsantrag zur Todesstrafe (2015/2879(RSP))( http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+MOTION+B8-2015-1007+0+DOC+XML+V0//DE); siehe auch den gemeinsamen Entschließungsantrag RC-B8-0998/2015 eingereicht im Anschluss an die Anfrage zur mündlichen Beantwortung B8-0761/2015 gemäß Artikel 128 Absatz 5 der Geschäftsordnung

[XIX] http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+MOTION+B8-2015-1007+0+DOC+XML+V0//DE

[XX] http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2014/05/501473/kritik-an-eu-erdogan-fordert-todesstrafe-fuer-paedophile/

Zusätzliche Quellen:

http://eeas.europa.eu/human_rights/adp/index_de.htm

http://www.hna.de/politik/hessische-verfassung-todesstrafe-soll-gestrichen-werden-6047661.html

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