An die Stadt Pohlheim: Errichtung eines Denkmals für christliche Opfer im Osmanischen Reich

2014_fraktion

Bild Quelle: SPD-Fraktion Pohlheim – http://www.spd-pohlheim.de/

SPD-Fraktion Pohlheim
Herrn Peter Alexander
Fraktionsvorsitzender
01.12.2017

Antrag auf Errichtung eines „ Denkmals für die Opfer des Völkermords an Christen im Osmanischen Reich 1915 – Erinnerung und Mahnung“

Sehr geehrter Herr Alexander,

unser erster Reichskanzler Herr Otto von Bismarck war ein großer Visionär und in seinen politischen Ambitionen seiner Zeit weit voraus. Einer seiner markantesten Zitate war: „“Die Liebe der Türken und Deutschen zueinander ist so alt, dass sie niemals zerbrechen wird.“

Wir erleben aber in den letzten Jahren eine zunehmende Spaltung unserer Gesellschaft, einhergehend mit einer gezielten Polarisierung der Bürger, die sich auch in dem Antrag vom 09.10.2017 mit der Nummer A-171/2016-2021 manifestiert.

Im politischen Geschäft werden vor einer Beschlussfassung eines Antrages alle Beteiligten angehört, um sich eine eigene Meinung bilden zu können, die dem Gemeinwohl dienen. Es ist genauso grob fahrlässig, ein Urteil über ein historisches Ereignis zu bilden, wo die Aufarbeitung der Geschehnisse seit Jahren von den armenischen Staatsorganen torpediert wird.

Seit vielen Jahren fordert die türkische Regierung die Konstituierung einer Historikerkommission, unter Beteiligung der Europäer, und die Öffnung aller Archive, um die menschliche Tragödie im ersten Weltkrieg aufzuarbeiten.

Leider wird dieses wichtige Anliegen, aus nicht nachvollziehbaren Gründen, von der armenischen Seite permanent blockiert. Es wäre für alle Beteiligten signifikant, die Wahrheit von einer Historikerkommission ergründen und dieses Thema nicht zum Spielball der politischen Parteien verkommen zu lassen.

Bei der geschichtlichen Aufarbeitung werden Sie feststellen, dass im ersten Weltkrieg, aufgrund des Deutsch-Türkischen Bündnisvertrages vom 02.08.1914, wo deutsche Soldaten Schulter an Schulter mit den türkischen Soldaten gegen die westliche Allianz pflichtbewusst gemeinsam gekämpft und sich zum Wohle ihres Landes als Patriot geopfert haben, die armenische Minderheiten im Osmanischen Reich keinen Wehrdienst leisten mussten.

Durch die Abstinenz der türkischen Streitkräfte im Osten der Türkei, sahen die Armenier ihre Chance gekommen, einen unabhängigen Staat anzustreben, obwohl sie unter der Herrschaft der Osmanen nach dem Millet-System eine gewisse persönliche Autonomie genossen haben. Trotzdem verbündeten sich die Armenier mit den russischen Streitkräften und überfielen großflächig weite Regionen im Osten der heutigen Türkei und massakrierten unschuldige türkische und kurdische Zivilisten. Wehrlose Frauen, Kinder und ältere Menschen wurden Opfer dieser Pogrome, die für die Armenier ihre staatliche Unabhängigkeit bringen sollte.

Nachdem große Landstriche von den Armeniern auf blutige Weise okkupiert wurden, beschloss das Osmanische Reich, die territoriale Integrität und die Staatsmacht im Osten Kleinasiens wieder herzustellen. Aufgrund der Gräueltaten der Armenier war aber ein Zusammenleben der Armenier mit den Türken und Kurden, realistisch betrachtet, anschließend nicht mehr möglich.

Als die russischen Streitkräfte das Osmanische Reich wieder verließen und damit die zeitlich befristete Schutzmacht der Armenier, floh eine Großzahl von Armeniern mit ihnen in das Russische Reich zurück. Um weiteres Blutvergießen in dieser Region zwischen den Ethnien zu beenden, wurde vom Osmanischen Reich beschlossen, die verbliebenen Armenier zu ihrem eigenen Schutz von der hiesigen Bevölkerung zu trennen und sie nach Syrien zu deportieren.

Es wird auch von der türkischen Regierung nicht bestritten, dass bei der Umsiedlung der Armenier viele unschuldige Menschen ums Leben kamen. Nur geht die türkische Seite von einer Anzahl in der Größenordnung 100.000 – 150.000 Armenien aus.

Um eine abschließende Beurteilung über diesen Antrag fällen zu können, ist es die Pflicht der armenischen Seite, die Archive zu öffnen und mit Teilnahme an einer Historikerkommission die Wahrheitsfindung zu unterstützen. Warum dies nicht geschieht sollte auch von Ihnen hinterfragt werden, bevor Sie politisch motiviert voreilig eine Vorverurteilung vornehmen.

Hinterfragt werden sollte auch, welches Signal oder welche Absicht von diesem Denkmal ausgeht. Im ersten Weltkrieg sind Millionen von Menschen ums Leben gekommen, warum gedenkt man nicht auch den Opfern der armenischen Aggression? Warum werden die türkischen Zivilisten von Ihnen nicht als Kriegsopfer wahrgenommen und damit die Befindlichkeiten der türkischen Freunde und Nachbarn in ihrer Kommune ignoriert respektive warum werden türkischstämmige Mitbürger pauschal brüskiert?

Es ist an Absurdität und Respektlosigkeit nicht zu überbieten, dieses Denkmal als Beitrag zur Versöhnung zwischen unterschiedlichen Ethnien und Religionen zu kultivieren. Hätten Sie allen Opfern gedenkt, wäre es ein elementarer Beitrag zur Völkerverständigung und zur Aussöhnung zwischen den Ethnien gekommen.

Ferner stellt sich die Frage, warum Sie die monotheistischen Religionen gegeneinander ausspielen? Hat das Leid der Muslime und der Juden im ersten Weltkrieg für Sie keine Relevanz? Warum versuchen Sie als Volksvertreter zu spalten und nicht zu versöhnen? Wo ist Ihre gesellschaftliche Moral?

Mit Ausgrenzung, Diffamierung und Spaltung leisten Sie sicherlich keinen wesentlichen Beitrag zur Integration und für mehr Verständnis untereinander.
Vielmehr bauen Sie geistige Mauern auf und füttern die Volksseele mit Vorurteilen.

Wenn das Ihre Intention ist, dann herzlichen Glückwunsch. Andernfalls sollten Sie, im Interesse des sozialen Friedens und aller Bürger, aufrichtig in sich gehen und Ihr einseitiges Vorhaben erneut überdenken.

M. Teyfik Oezcan
Freier Journalist

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