Die Akte Fethullah Gülen und der Putschversuch vom 15.07.2016 – Teil 4

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C by News Special 24 2018

Die Übernahme des Rechtswesens und die Folgen

Ein gutes Beispiel dafür ist der ranghohe Polizeipräsident Hanefi Avci, der die Öffentlichkeit vor der Machthülle und den versteckten Ziele dieser Organisation solange warnte bis der berühmte Generalstaatsanwalt der Organisation Zekeriya Öz, ihn mit dem sogenannten subversiven Geheimbund „Ergenekon“ in Verbindung brachte und unberechtigterweise anklagte.

Im Nachhinein stellte sich jetzt heraus, dass die „Ergenekon“ eine nie existierte und fiktive Organisation war. Jedoch wurde sie zur dieser Zeit als Vorwand genommen, um unliebsame Kritiker der Gülen Organisation hinter Schloss und Riegel zu bringen. Unter den Mitleidenden waren auch die berühmten Investigativ-Journalisten Ahmet Sik und Nedim Sener.

Nach Aussage von Nedim Sener konnte er Beweise vorlegen, die eindeutig auf die Verwicklung der FETÖ an der Ermordung des Chefredakteurs -der türkisch-armenischen Zeitung Agos- Hrant Dink hinwiesen. Hintergrund des Attentats der FETÖ war es, einen Vorwand für die Ermittlung gegen konservative und nationalistische Gruppierungen zu liefern, um sie aus ihren Positionen zu drängen.
Erst nach dem Putschversuch vom 15.07.2016 wurden die Gefolgsleute der FETÖ bei der Polizei verhaftet und verurteilt, die in diesen Attentat involviert waren.

Der flüchtige Generalstaatsanwalt Zekeriya Öz, der seit seiner Flucht aus der Türkei in Deutschland Immunität genießt, hatte damals u.a. auch den Chefredakteur des Online-Nachrichtenportals OdaTV Soner Yalcin verhaften lassen.

Jeder der auch nur ansatzweise der FETÖ zu nahe kam, verbrannte sich also die Finger, wie die Tageszeitung Vatan bereits 2008 bemerkte.

Die Staatsanwälte Salim Demirci und Nuh Mete Yüksel, die gegen Fethullah Gülen Ermittlungen anstrengen wollten, wurden nur kurze Zeit später mit kompromittierenden Videos auf YouTube kaltgestellt. Der bekannte Buchautor Ergün Poyraz, der bereits 1999 eine Strafanzeige gegen Fethullah Gülen angestrengt hatte und auch in seinen Büchern massiv Kritik übte, wurde gar wegen eines Handgranaten-Fundes in Ümraniye-Istanbul 2007 verhaftet und in Untersuchungshaft gesteckt.

Der Einsatz von Abhörtechniken

Die Liste jener, die durch kompromittierende Drucksachen, Aufnahmen, fingierten Beweisen oder Unterstellungen in Ungnade fielen, verhaftet oder weggesperrt wurden, ist sehr lang. Bekanntestes Opfer ist der ehemalige Vorsitzende der größten Oppositionspartei CHP, Deniz Baykal, der nach einem Sex-Video zurücktreten musste.

Obwohl innerhalb von Teilen der Sicherheitsorgane das Bewusstsein da war, dass die Gülen-Bewegung sich in Militär, Polizei und Justizwesen nach Jahrzehnten, mit illegalen Abhörmaßnahmen, fingierten Beweismitteln und mit willkürlichen Verhaftungen von Kritiker bereits etabliert hatte, so vermochte nicht einmal mehr die Justiz in diesen Wirren zwischen Gut und Böse zu unterscheiden.

Ein Indiz dafür, dass die FETÖ inzwischen derart an Macht besaß, dass nicht einmal mehr rang hohe Generalstaatsanwälte innerhalb der Staatssicherheitsgerichte die Macht besaßen, Ermittlungen anzustrengen, sich zu schützen – so wie Nuh Mete Yüksel.

Die Notwendigkeit des Putsches

Mit dieser Methodik wuchs ihre Macht von Tag zu Tag. Dennoch war sie im Juli 2016 nicht in der Lage den Putsch alleine auszuführen, der schon Monate vorher geplant war. Sie musste spätestens im Juli erfolgen, da im August 2016 viele personelle Veränderungen im Militärwesen anstanden und eine große Anzahl ihrer Mitglieder in den obersten Rängen auf der Abschussliste standen. Die türkische Regierung hatte bereits Vorkehrungen getroffen, um die bekannten Mitglieder der FETÖ aus ihren Ämtern zu entlassen.

Im Vorfeld der Putschnacht wurde von Seiten einiger Medien und Politiker immer wieder Putschgerüchte kolportiert, die sich später bewahrheiteten. Auch das nähere Umfeld von dem Sportler H.S. war involviert. Nach Aussage eines Bekannten des Sportlers wusste man schon 2-3 Monate vorher Bescheid über den geplanten Staatsstreich. Man hat ihm sogar einige Tage vor dem 15.07.2016 geraten das Land zu verlassen, da es zeitnah zu einem „großen Chaos“ kommen würde in der Türkei.

Der Putsch unterlag einer Befehlskette, die in der Türkei maßgeblich von Adil Öksüz gesteuert wurde, und jeder musste die ihm zugeordnete Aufgabe bedingungslos erfüllen. Die Struktur der Organisation war so konzipiert, dass es innerhalb der Organisation so viele unabhängige Zellen gab, die voneinander autark ihre Arbeit verrichteten und nur ihre direkten Vorgesetzten persönlich kannten.

Trotzdem wäre die FETÖ mit ihrer Machtfülle nicht in der Lage gewesen diesen Putsch alleine durchzuführen. Sie bedienten sich Kemalisten und Republikaner, die den türkischen Staatspräsidenten auch stürzen wollten. Die Kemalisten und die Republikaner, die unter den Staatsanwälten und Richtern der FETÖ am meisten gelitten haben, sagten trotzdem ihre Unterstützung zu.

Ende Teil 4

M.Teyfik Oezcan
Freier Journalist

Die Akte Fethullah Gülen und der Putschversuch vom 15.07.2016
Teil 1
https://newsspecialblog.wordpress.com/2018/06/01/die-akte-fethullah-guelen-und-der-putschversuch-vom-15-07-2016-teil-1/

Teil 2
https://newsspecialblog.wordpress.com/2018/06/01/die-akte-fethullah-guelen-und-der-putschversuch-vom-15-07-2016-teil-2/

Teil 3
https://newsspecialblog.wordpress.com/2018/06/02/die-akte-fethullah-guelen-und-der-putschversuch-vom-15-07-2016-teil-3/

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