Reflexion und Resultat des Neujahrsfestes am Taksimplatz

C by News Special 24 – 2019

Bei entspannter Gefühlslage wird es endlich Zeit, sich über die Ereignisse am Taksimplatz an Silvester Gedanken zu machen. Feiernde Jugendliche syrischer Herkunft schwenken Flaggen der Freien Syrischen Armee, tanzen Halay und skandieren „Suria“. Im gleichen Zeitraum werden Menschen mit Migrationshintergrund in Bottrop von einem sogenannten „geisteskranken“ Fremdenhasser mit seinem Auto in Mordabsicht willkürlich überfahren.

Der terroristische Akt von Bottrop wird von Teilen der deutschen Mainstream-Medien bagatellisiert, verharmlost oder nur kurz angeschnitten. Warum? Weil der Täter aus biodeutscher Abstammung ist und die Opfer „nur“ Migranten darstellen.

Anstatt diesen skandalösen Vorfall medien- und öffentlichkeitswirksam zu thematisieren, zu verurteilen und den Opfern beizustehen, schicken wir uns an, tagelang über feiernde Jugendliche in der Türkei zu referieren, was für mich definitiv keinen Nachrichtenwert besitzt. Wer meinen Kommentar vom 02.01.2019 vernommen hat, kennt zu diesem Vorfall meine persönliche Meinung. Ich möchte jetzt auch nicht inhaltlich weiter darauf eingehen.

Was mich aber mehr umtreibt, ist die Tatsache, dass die bekannten Avantgardisten der türkischen Gesellschaft in Deutschland wie Bilgili Üretmen oder Tugrul Salmanoglu in einer Art und Weise angegriffen und beleidigt werden, was das gesunde Maß längst überschritten hat. Aus meinen bisherigen Kommentaren, könnt ihr entnehmen, dass ich die Gedankengänge von Bilgili oder Tugrul nicht nachvollziehen kann und auch nicht unterstütze. Trotzdem ist es fehl am Platz diese Persönlichkeiten wie Freiwild dem Abschuss frei zu geben. Beide Protagonisten haben in der Vergangenheit durch ihren Einsatz für die türkische Community ihren wichtigen Beitrag geleistet und sie werden es auch sicherlich zukünftig weiterhin tun.

Wer hat in der Silvesternacht verloren und wer gewonnen?

Verloren hat auf jeden Fall durch die Polarisierung und Spaltung die Geschlossenheit der türkischen Gesellschaft in Deutschland. Weiterhin verloren hat die notwendige Aufmerksamkeit auf die Geschehnisse in Bottrop und auch der gegenseitige respektvolle Umgang der User von sozialen Medien. Ferner hat die Meinungsfreiheit darunter gelitten. In einer demokratischen Grundordnung steht es jedem offen, sich angstfrei zu artikulieren und sich für seine Meinung einzusetzen, ohne unangemessene Beleidigungen über sich ergehen lassen zu müssen.

Gewonnen haben im Hintergrund operierende mutmaßliche Provokateure der Silvesternacht; weiterhin die oppositionelle Parteien in der Türkei, die Tugrul als Vorwand nehmen, um die Ereignisse politisch auszuschlachten und um die AK Partei zu attackieren; Rechtsextreme, Rechtsradikale, Konservative, Parteien des linken Spektrums und linke türkische Gruppierungen in Deutschland, die sich diesen innertürkischen Dissens genüsslich und mit Freude angesehen haben und ferner alle Personen, die die Türkei lieber heute als morgen in Zeiten vor der Machtübernahme durch Erdogan sehen wollen.

War es das wert? Kurz und knapp: Nein!

Warum lassen sich einige uns so schnell aus der Reserve locken? Lasst uns lieber mit Bedacht und Zuversicht, ohne emotional begründete Vorwürfe auszusprechen, die vor uns liegenden Themen in Deutschland gemeinsam angehen!

M. Teyfik Oezcan
Freier Journalist

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