DITIB, der Sündenbock für Medien-Hass auf Muslime. Türkmen: Seit 2016 werden Grenzen überschritten

 

Der neu gewählte Vorstandsvorsitzende der Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), Kazım Türkmen, zeigt sich trotz der Dauerberieselung an unverhältnismäßiger Kritik, die seit 2016 anhält, zuversichtlich. DITIB gehöre trotz der fortdauernden Schläge unterhalb der Gürtellinie zu Deutschland.

Kommentar – Der neu gewählte Vorstandsvorsitzende der Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DITIB), Kazım Türkmen, zeigt sich trotz der Dauerberieselung an unverhältnismäßiger Kritik, die seit 2016 anhält, zuversichtlich. DITIB gehöre trotz der fortdauernden Schläge unterhalb der Gürtellinie zu Deutschland. Diese Auffassung teilt nicht jeder Türke, der mit der DITIB groß geworden ist. Für sie ist die nationale Hysterie ein Fall der besonderen Art.

Seit 2016 steht die DITIB in Deutschland unter Kreuzfeuer. Jeder noch so kleine Fehler eines Gemeinde- oder Landesverbandmitglieds wird dem Dachverband in Köln angelastet. Jede Betätigung eines Imams außerhalb der Normen im Sinne eines Scharfrichters wird der DITIB angelastet. Es ist mittlerweile so, dass die Gemeindearbeit sich auf die Gemeindemitglieder beschränkt, um ja nicht den einen oder anderen kritischen Außenstehenden erneut auf die Barrikaden zu bringen bzw. weil die Landesregierungen inzwischen die Arbeit der Gemeinden nicht fördern oder mit ihr gar nichts mehr zu tun haben wollen, um ja nicht in den Radar der Kritiker zu geraten.

Dabei sind die Kritiker selbst erpicht darauf, der DITIB jeden Fehler öffentlich vorzuhalten, der man habhaft werden kann. Seit 2016 haben sich dabei Persönlichkeiten und Politiker herauskristallisiert, die sich als Schreibtischtäter identifizieren lassen. Da wären zu einem das Grünen-Duo Cem Özdemir sowie Volker Beck, aber auch der linksrotierende Kemal Hür, dem die DITIB wohl auch zu Zeiten der Republikaner oder Demokraten – also vor der Ära Erdogan – nicht geheuer war. Letzterer hat wohl per se wie Ali Ertan Toprak ein Problem mit der Türkei und den Regierungen an sich, weshalb es kein Unterschied macht, wer die Religionsbehörde DIYANET in der Türkei kontrolliert. Es gebe wohl erst Ruhe im Karton, wenn die Regierung an der Macht ist, die diesen Herrschaften genehm ist – nur welche, wenn schon alle politischen Richtungen mehr oder weniger an der Machtbasis saßen?

Bei diesen Herrschaften dümpelt außerdem der irrwitzige Gedanke herum, die DITIB sei ein deutscher Verein, weshalb auch deutsche Imame die Aufgabe der Seelsorge und religiösen Betreuung übernehmen müssten. Mitnichten ist das der Fall, muss es auch nicht, wie auch die Auslandsfinanzierung nicht per se kriminalisiert werden darf, was ohnehin nicht stattfindet, wie man es hier des Öfteren in den Meinungen untergeschoben hat. Ja, die DITIB ist ein eingetragener deutscher Verein, sie spricht aber vorwiegend türkische Muslime, vor allem türkische Staatsbürger an, die diese Gemeinden mitbegründet, mitfinanziert und mitgetragen haben und nicht deutsche bzw. türkische Atheisten, Veganer oder Lesben sowie Schwule. Insofern ist sie gleichgestellt wie alle übrigen kulturellen oder religiösen Vereine in Deutschland, die sich an das deutsche Vereinsgesetz halten müssen. Ob diese deutschen Vereine dann ihren Schatzmeister aus Papua-Neuguinea bestellen, den Streuner in Italien mit Spendengeldern aus Deutschland füttern oder dem indigenen Mapuche-Volk in Patagonien das Christentum nahebringen, ist ihnen überlassen. Kritik an sich ist erlaubt, aber nicht Rundumschläge, die zum Ziel haben, eine Gemeinschaft zu kriminalisieren, zu entrechten.

Es wird doch auch kein Rummel darüber betrieben, wenn die PKK-nahe Dachorganisation in Deutschland aus der Gefängnisinsel Imrali heraus von Abdullah Öcalan gesteuert wird und diese hier stramme Guerilla-Paraden als Festival deklariert abhalten und jährlich in Aulas von landesweiten Universitäten Guerillakämpfer ehren und Auszeichnungen verleihen. Damit finanziert sich diese Ideologie, um dann mit Gewalt gegen eine Staatsmacht mittlerweile im 4 Jahrzehnt vorzugehen, während in dieser Zeit viele Regierungen die Macht erlangt haben. Stellen sie sich mal vor: Hitler zwang den Deutschen rund zwei Jahrzehnte die nationalsozialistische Doktrin auf, Stalin zwang den Russen sogar mehr als drei Jahrzehnte die stalinistische Doktrin auf. Öcalan brach den Rekord von Hitler bereits vor knapp einem Jahrzehnt und hat seine apoistische Doktrin bis unter die Kinder der jüngsten Generation transportieren können, seine Thesen und seine Ideologie sind hierzulande Ladenstürmer, aber die Türkei ist der Beelzebub? Klar, die PKK und deren Handlanger in Deutschland sind auch kein Grund zur Panik, denn die Gewalt geht ja schließlich von der DITIB und deren Moscheegemeinden selbst aus, die beinahe täglich in diesem Lande von dieser Ideologie heimgesucht werden. Das ist kaum noch ironisch, schon gar nicht mehr zu lachen.

Nicht ohne Grund wird deshalb im öffentlichen Diskurs ständig unterschlagen, dass über der einen oder anderen Moschee, die Ziel eines Brandanschlags waren, auch Deutsche Mitbewohner, sprich Menschen leben und eigentlich glimpflich davonkamen. Es wird auch nicht transportiert, wie viel Gemeindearbeit die DITIB geleistet hat, um Kinder und Jugendliche vom Radikalismus abzuhalten und für die Bildung zu gewinnen, während in ihren Moscheehöfen und Vorgärten Schweineköpfe kullern. Es wird auch nicht erklärt, dass die Gemeinden apolitisch sind und seit ihrem Bestehen keine politischen Veranstaltungen in ihren Häusern dulden, um den Gemeindefrieden zu wahren – nicht so sehr, um die Öffentlichkeit zu beruhigen, die jetzt ohnehin zu wissen glaubt, was da hinter der Moscheetür stattfindet – stattdessen unterstellt, dass die DITIB Busse vor die Gemeindemoscheen herankarren ließ, damit die türkischen Staatsbürger die amtierende AKP wählen.

Es wird dagegen ständig unterstrichen, dass die Imame aus der Türkei stammen und daher stramm türkische Staatsideologie hierher transportieren. Dabei wird den Imamen allgemein unterstellt, einer einzigen Partei oder Ideologie anzugehören, was schon an sich absurd ist, aber dennoch Abnehmer zuhauf findet. Es wird auch ständig unterschwellig transportiert, die DITIB-Imame, die mit der sogenannten Spitzelaffäre beschuldigt wurden, seien überführt worden. Nun, da fragt man sich unweigerlich, weshalb dann die Bundesanwaltschaft ihre Spionageermittlungen gegen 19 Imame eingestellt hat: wegen Mangel an Beweisen, Geringfügigkeit oder nicht ausreichendem Tatverdacht. Die Bundesanwaltschaft stellte die Ermittlungen ein, weil sie dazu genötigt werden musste: durch den Bundesgerichtshof, dessen Ermittlungsrichter sich zweimal in Folge weigerten, Haftbefehle gegen 6 Imame auszustellen, auch wenn sich diese bereits in der Türkei befanden.

Und trotzdem wird von Kritikern kolportiert, die Imame seien doch überführt worden, um den Vorwurf weiterhin aufrechtzuerhalten, den sie selbst erhoben haben. Das Vorgehen erinnert stark an das Verfahren gegen den deutschen Wettermann Jörg Kachelmann, der medial trotz der Unschuldsvermutung von namhaften Persönlichkeiten wie Alice Schwarzer, bis hin zu Spiegel und Co. vorverurteilt und von der Staatsanwaltschaft in Mannheim trotz fehlerhafter oder unzureichender Beweise rigoros bis vor das Oberlandesgericht gehetzt wurde, bis seine Reputation keinen Cent mehr wert war. Das Ende vom Lied kennen wir.

Damit dieselben Ängste und der Hass bei der hiesigen Gesellschaft geschürt und geweckt werden sowie die Politik dazu gedrängt wird, einzuschreiten, wird das ständig wiederholt vorgeworfen, wird der Zirkelschluss zum türkischen Präsidenten Erdogan hergestellt. Um die Ängste zu begründen, werden den türkischen Muslimen paradigmatisch Islamkritiker vor die Nase gesetzt, die ihnen mit dem Knüppel beibringen wollen, wie der Islam zu verstehen und zu Glauben ist, was ausnahmslos zu den gewollten Gegenreaktionen führt. Kein Wunder also, dass diese Bevormundung nicht nur der Basis innerhalb der DITIB stinkt, sondern auch den türkischen Muslimen gewaltig auf den Keks geht – wohlgemerkt, es sind immer noch bei weitem mehr türkische Staatsbürger, die die DITIB anspricht, als Deutsche, die einen türkischen Hintergrund haben.

Apropos, wer von diesen sogenannten Islamkritikern, der gerne mit HC Strache, Thilo Sarrazin, FPÖ oder AfD Händchen hält und Gespräche führt, um so den „Dialog“ zu fördern, hat schon mal Dialog mit den türkisch-islamischen Verbänden gesucht? Seit mehr als drei Jahrzehnten gibt es die DITIB und bislang hat sich niemand sonderlich darum bemüht, sich mit dieser Gemeinde zu beschäftigen oder einzulassen, aber nun kriegt man nicht genug davon, über diese Organisation herzuziehen, die schon immer ein Bestandteil des türkischen Gemeindelebens in Deutschland war. Es ist übrigens nicht die Aufgabe von Religionsgemeinschaften und ihren Gemeinden, quasi-inquisitorische Fragen zu ihrem weltanschaulichen Verhältnis zu profanen Rechtsbegriffen oder Staat zu beantworten oder Stellung zu beziehen, die seit 2016 andauernd gestellt werden. Die einschlägigen Menschenrechtskonventionen sind adressiert an das Rechtssubjekt Staat, genauso übrigens auch das Grundgesetz, das Derivate der Menschenrechtscharta nationalgesetzlich mittels der Grundrechte ausformuliert. Die DITIB hat seit der ersten Islamkonferenz klargestellt, wo sie steht und damit erübrigt sich eigentlich jede weitere Halluzination.

Glaubensgemeinschaften haben außerdem trotz gegenteiliger handelsüblich gewordener und lautstark verklärter Meinung von Özdemir oder Beck sehr wohl das Recht, eine Lehre zu vertreten, die punktuell von derlei konkreten normativen Vorgaben abweichen, ohne, dass es ihnen zum Nachteil in einer rechtsstaatlichen Demokratie gereichen darf. Das gilt für alle Religionen und ihre Institutionen und sollte eigentlich trivial sein. Wer glaubt, dass Rabbi, Imam und Pfarrer lediglich spirituell angehauchte Verfassungsrechtler in ulkig-folkloristischen Gewändern zu sein hätten, pflegt ein totalitäres Verständnis von Staat und Gesellschaft und kann sich wahlweise aussuchen, ob man ihn bei den Jakobinern, NSU 2.0 oder der DDR 2.0 verorten soll.

Was die konkrete Verleumdung der DITIB anbelangt, wird es Zeit und das sehen mittlerweile viele türkische Muslime so, dass sich der Verband juristisch endlich zur Wehr setzt wie die IGMG, die gegen Volker Beck und dessen leidige Vorwürfe vorgeht. Es wird auch Zeit, sich als Verband wieder dem Kerngeschäft zu widmen, anstatt sich ständig mit diesen Islamkritikern zu beschäftigen, deren Tagesgeschäft es ist und die damit Geld verdienen.

Man darf als Verband auch nicht dem Irrtum verfallen, dass die Bundesregierung oder die Landesregierungen bemüht sind, die DITIB oder irgendeinen islamischen Verband als Körperschaft des öffentlichen Rechts anzuerkennen. Seit Jahrzehnten – eigentlich seit 1984 – wurde dies den islamischen Verbänden mit etlichen Nebenschauplätzen verhindert, wurden Staatsverträge aus den Schubladen gezaubert, mit der man ständig bestrebt war, die Gemeinschaften damit zu knebeln und zu bestimmen, wie die Religionsgemeinschaft zu lenken oder wie die Religion an sich zu gestalten sei. Das verstößt jedoch gegen das Neutralitätsgebot des Staates.

In einem ersten Schritt hat die DITIB vor Jahrzehnten, haben andere islamische Verbände vor Jahren Landesverbände gegründet.  Der zweite Schritt muss aber von den Ländern selbst kommen, die bislang ausbleibt. Im Lichte der Religionsfreiheit muss es islamischen Verbänden möglich sein als Religionsgemeinschaft anerkannt zu werden. Die Voraussetzungen dafür dürfen nicht unüberwindbar sein, in der man ihr das religiöse Selbstbestimmungsrecht beschneiden oder reglementieren will.

Kazım Türkmen hat in seiner ersten Stellungnahme als gewählter neuer Vorsitzender der DITIB betont, dass die Menschen innerhalb der DITIB nicht fehlerlos seien. Man habe stets zu lernen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, um die Arbeit voranzutreiben. Türkmen unterstrich aber auch, dass die Arbeit wie in den Jahren zuvor auf die Muslime in Deutschland zugeschnitten werde. Ziel sei es, die Muslime im Land zu betreuen, von der man dazu beauftragt worden sei. Nach Angaben der DITIB sind rund 900 Moscheegemeinden unter dem Dachverband vereint. Die Gemeinden werden von insgesamt 24.000 Gemeindemitgliedern geleitet, die von 200.000 registrierten Mitgliedern in ihre Posten gewählt wurden. Nach der Satzung der DITIB, muss jede Gemeinde mindestens zwei Frauen, einen Elternvertreter sowie Jugendvertreter in die Führung wählen. Die Moscheegemeinden werden derzeit von 1.049 Imamen religiös betreut. Weitere 1.161 gewählte Vorbeter und Helfer betreuen dabei rund 60.000 Kinder und Jugendliche. Der Dachverband gibt jedes Jahr rund 1.000 Studenten und Studentinnen aller Fachrichtungen Stipendien und unterstützt Dutzende Akademiker bei ihrer Weiterqualifikation.

Ein Kommentar von @Nabi Yücel

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