120 Stunden Gefechtspause in Nordsyrien

Präsident Erdogan und Pence in Ankara

Die USA und die Türkei haben sich auf eine 120 stündige Waffenruhe geeinigt. Binnen dieser Frist soll sich die #YPG aus dem Gebiet zurückziehen, in der die von der #Türkei geplante #Schutzzone entstehen soll.

Die #USA, die #EU und auch die #UNO haben versagt und konnten keine Stabilisierung in der Region erreichen. Es darf bezweifelt werden, ob sie überhaupt ein solches Ziel ernsthaft verfolgt haben. Vor allem aber sind sie an sich selbst gescheitert.

Seit 2011 pocht die Türkei auf eine UN-Schutzzone mit Blauhelmsoldaten, damit der Krieg in #Syrien endet. Keiner rührt sich. Ein Drama nach dem anderen in Nordsyrien erschüttert die Welt über Jahre hinweg. Acht Jahre tobt dort der Krieg mit unendlich viel Leid, Tod und Elend, aber der Aufschrei war noch nie so groß wie in den letzten acht Tagen, seit die Türkei ihre Militäroperation gestartet hat.

August/ September 2019 hatten sich die Türkei und die USA letztendlich geeinigt die Schutzzone immer noch ohne Waffengewalt aufzubauen, gemeinsam zu koordinieren und dass die amerikanischen Spezialeinheiten die #PKK/#YPG mitsamt deren schweren Waffen in den Süden abzieht. Der Ablauf vollzog sich schleppend, so wie damals schon beim Manbidsch-Fahrplan, der nie umgesetzt wurde, um die Türkei an der Nase herum zu führen und wie gewöhnlich um Zeit zu gewinnen. Denn in beiden Fällen waren die PKK und ihre sogenannten „lokalen Militärräte“ immer noch vor Ort. Die sogenannten lokalen Militärräte entstanden aus zwangsrekrutierten Kurden, Arabern, Turkmenen und Christen in den von der PKK zwischen 2015-2019 besetzten Gebieten in Nordsyrien. Sie standen direkt unter der Kontrolle der #PKK. Zu Beginn der Offensive Baris Harekati sind am ersten Tag 80 zwangsrekrutierte Araber desertiert.

Niemand wollte den seit Jahren andauernden Appell der Türkei verstehen. Verstanden wurde dieser nachdem wenige Tage Waffengewalt angewendet wurde und nachdem Zivilpersonen zu Schaden kamen. Nun wurde ein Waffenstillstand erklärt und die PKK/YPG zieht sich aus dem Gebiet zurück (30 km südlich in das Landesinnere), in der die überfällige Sicherheitszone wie ursprünglich geplant, gewaltfrei (!) entstehen sollte.

Die Türkei ist der wichtigste Akteur in dieser Region, was alle Strategen und Planer im Weißen Haus, in der EU und in der UNO wissen und zähneknirschend anerkennen. Wer hätte gedacht, dass aus der Türkei des „kranken Mannes am Bosporus“ 100 Jahre später ein solch durchsetzungsstarker und wichtiger Akteur werden würde. Was wir mit dieser „neuen“ Türkei derzeit geo- und weltpolitisch erleben kann man kurz so beschreiben: Die Karten werden neu gemischt.

Fatih Zingal

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