Armänier / USA?: „Jetzt muss ich doch mal etwas ausholen. Eigentlich wollte ich mich zu der Thematik nicht mehr äussern…

Scrensot

Sicher, es ist im Moment in der öffentlichen Meinung ausgemacht, dass die Türkei der schlimmste Schurkenstaat der Weltgeschichte ist. Selbst Leute, die keinerlei wie auch immer geartete Beziehung zur Türkei haben, außer dass sie vielleicht ab und zu mal beim türkischen Gemüsehändler ums Eck ihren Lauch kaufen, beteiligen sich mit unglaublicher Verve am derzeit sehr hippen Türkeibashing, als seien sie persönlich betroffen und hätten Ururopa im Osmanischen Reich 1915 verloren.

Mutet wirklich niemandem die Entscheidung des US-Repräsentantenhauses, die Vorgänge um 1915 als Völkermord zu bezeichnen vor dem Hintergrund der Vorgänge und dem Verhalten der US-Regierung im Nahen Osten irgendwie seltsam an?

Findet es wirklich niemand komisch, mit welchem Engagement, fast muss man sagen, manchmal Hysterie, sich Politiker mit Vorgängen befassen, die mehr als 100 Jahre zurückliegen in einem Gebiet, das damals als „weit hinten, dort in der Türkei“ als völlig am Rande jeglichen allgemeinen Interesses lag? In Sachen Aufarbeitung der Vergangenheit hat praktisch jedes Land mehr als genug Leichen im Keller und etliche Völkermorde versinken seit langem im Dunkel der Geschichte… dass andere Staaten sich lieber mit der Türkei und ihrer Vergangenheit befassen, statt die eigene blutige (Kolonial)geschichte aufzuarbeiten, ist schon interessant.

Die einen nennen das jetzt Whataboutism, die anderen suchen nach dem längsten Besen der Welt, den man denjenigen in die Hand drücken möchte, um vor ihrer eigenen Tür zu kehren…

Wer mich kennt, weiß dass ich mit Begriffen wie „Lügenpresse“ oder „Mainstreammedien“ nicht operiere. In Sachen Türkei haben aber die selbsternannten Leitmedien längst das Prinzip der objektiven Recherche verlassen und sich zum Sprachrohr von politischen Aktivisten gemacht. Der politische Hintergrund der derzeit in Interviews und Talkshows herumgereichten Aktivisten und Interessenvertreter wird nicht hinterfragt, nicht mal erwähnt (Was bei Gesprächspartnern, die das „pro-Türkei-Feigenblatt“ geben sollen, allerdings NIE vergessen wird, als ob es diejenigen weniger vertrauenswürdig machen würde, wenn man sie in Regierungsnähe rückt). Freundlich ausgedrückt gibt es einen ehernen Konsens an den deutschen Redaktionstastaturen, dass auf keinen Fall positiv und in den meisten Fällen nicht mal objektiv über die Türkei berichtet werden darf. Die Textbausteine „böser Erdoğan, böse Türkei“ müssen zwingend eingebaut werden.

Dass immer mehr Politiker, die weder Experten in Sachen Türkei sind und weder über die Fähigkeit noch das Interesse haben, historische Vorgänge objektiv zu untersuchen (das ist auch gar nicht ihr Job) diese Vorgänge als Völkermord bezeichnen, ist für mich keine Bestätigung der Richtigkeit – sondern lediglich ein Anzeichen für erfolgreiche Lobbyarbeit der armenischen Diaspora. Welche Wirtschaftskraft diese hat, zeigt sich allein daran, dass fast 15% des Bruttoinlandsproduktes von Armenien durch Zahlungen von Auslandsarmeniern stammt. Und das ist der springende Punkt… folge der Spur des Geldes.

Letztens las ich die berechtigte Frage, was die Türkei denn verlöre, wenn sie einfach sagen würde, jawoll, war 105 Jahre vorher ein Völkermord, ihr habt recht und jetzt ist es mal gut….

Nein, es wäre dann EBEN NICHT gut, dann würde es nämlich erst beginnen. Im Jahr 2014 entschuldigte sich Erdogan bei den Opfern und ihren Nachfahren und sprach von „unmenschlichen Folgen“, die die damaligen Vertreibungen der Armenier verursacht hätten. Könnte es damit nicht gut sein und das Thema einer unabhängigen Historikerkommission zur Aufarbeitung übergeben werden? Das war ein internationaler Vorschlag zu Zeiten, als das Thema weniger politisch benutzt wurde – die Türkei stimmte dem zu, Armenien lehnte es ab. Aber warum besteht man denn so auf dem Begriff VÖLKERMORD?

Dann finge es nämlich erst richtig an… die armenische Verfassung dürfte wohl die einzige sein, die ganz offiziell als Ziel festgeschrieben hat, große Teile des Gebietes eines anderen Staates annektieren zu wollen, ungeachtet der Tatsache dass der armenische Staat erst seit 1991 besteht und die Staatsgrenzen der Türkei durch internationale Verträge bereits etliche Jahrzehnte früher rechtlich verbindlich festgelegt wurden.

Es wird Anspruch erhoben auf weite Gebiete der Osttürkei und auf Städte wie Erzurum und Kars mit insgesamt über einer Million Einwohnern. Eine rechtliche Anerkennung des Völkermordes durch die Türkei würde die gerichtliche Forderung nach Reparationszahlungen, Forderungen nach Übereignung von Immobilien und Entschädigungen nach sich ziehen. Der wirtschaftlich marode Haushalt des bitter armen Armeniens würde dadurch saniert, während die türkische Wirtschaft sich von diesem Aderlass wohl kaum so schnell erholen dürfte.

Noch Fragen?
Schönen Freitag allerseits.“

Martina Yaman

US House recognises ‚Armenian genocide‘ in rebuke to Turkey

Bill marks the first time US Congress describes the killing of Armenians by Ottoman forces during World War I as a genocide

https://www.middleeasteye.net/news/us-house-recognises-armenian-genocide-rebuke-turkey?fbclid=IwAR0B80BZFmttRzQ2_TZ0V8v_RqimUlVI-cZ7o93vUfZLD9KQ2N8VQdrvd5Q

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